Kalender
Seit 1875 ist unsere Alte Dorfkirche
- Ort des Glaubens
- Heimat
- Taufort
- Traukirche
- Ort des Abschieds
- Zuflucht
- Hoffnungsraum
- Kirche für Alle
- mit Gebeten, Liedern und Predigten erfüllt
- Konfirmationsraum
- Ort des Dankes
- Raum für Kummer
- Ort für Jubiläumshochzeiten
- und Jubiläumskonfirmationen
- Mittelpunkt
- Platz, um Lasten abzulegen
- Wegweiser
Das alles ist unsere Alte Dorfkirche seit mehr als 130 Jahren.
Das alles soll sie uns in Augustdorf für die Zukunft bleiben.
Das alles kann sie nur sein,
wenn Leben in ihr ist und Menschen sie so vielfältig nutzen.
Das alles ist nur möglich, wenn wir sie erhalten.
Wenn wir sie mit Leben füllen
und wenn wir auch die Mauern erhalten, die uns das alles bieten.
Unsere Kirche ist uns etwas wert!
Deshalb füllen wir sie mit Leben.
Deshalb wollen wir sie unterhalten.
Deshalb werden wir es uns etwas kosten lassen,
sie zu unterhalten.
Helfen Sie uns dabei.
Mit Ihrer Gabe im Opferstock am Kirchenausgang
oder mit Ihrer Unterstützung bei unserem Stiftungsfonds.
Und natürlich mit Ihren Ideen,
mit Ihrer Freude und mit Ihren Sorgen,
mit denen Sie unsere Kirche mit Leben erfüllen.
Chronik
Der Ort Augustdorf blickt auf eine relativ kurze Geschichte zurück. Offizielles Gründungsdatum ist das Jahr 1775. Die kirchlichen Angelegenheiten wurden von der Gemeinde in Stapelage aus geregelt. Der neue Ort fiel in die Parochie des Stapelager Pfarrers. Der erste Schritt in Hinblick auf die Gründung einer eigenen Kirchengemeinde in Augustdorf wurde bereits im Juli 1784 getan: Die Augustdorfer erbaten sich einen Platz, um ihre Toten in der neuen Ansiedlung beizusetzen. Auf diesem Grundstück wurde im Jahr 1800 eine Fachwerkkapelle errichtet. Das Datum der Einweihung, der 7. September 1800, gilt als das Gründungsdatum der evangelisch - reformierten Kirchengemeinde Augustdorf.
Die heutige "Alte Dorfkirche" wurde 1875 an Stelle der baufällig gewordenen Fachwerkkapelle errichtet. Für den Bau beauftragt wurde der Domänenbaurat Ferdinand Ludwig Merckel, der neben der Augustdorfer Kirche auch die Kirchbauten in Schlangen, Bega, Leopoldshöhe und Almena errichtete. Für die finanziell knappe Augustdorfer Gemeinde musste ein sparsamer Kostenrahmen ausreichen.
Im Laufe der Jahre sind viele Renovierungsarbeiten erfolgt, die der Kirche immer wieder ein neues Aussehen gegeben haben. Im Winter 1999 / 2000 wurde die Alte Dorfkirche aufwändig renoviert, um eine dem Urzustand möglichst ähnliche Innengestaltung zu erreichen. Hilfreich dazu waren alte Dokumente und die Ergebnisse der Restauratorenschule Raesfeld. In Absprache mit dem Denkmalamt sind Farbgebung, Ornamente und die umlaufenden Ornamentbande dem ermittelten Urzustand ähnlich, aber nicht identisch gestaltet worden. In vier "Sichtfenstern" ist der von der Restauratorenschule ermittelte ursprüngliche Zustand weiterhin zu sehen.
Heute ist die Alte Dorfkirche ein Schatzkästchen unter den Kirchen unserer Landeskirche. Möge sie den Menschen in Augustdorf bleiben, was sie bisher gewesen ist, ein Ort des Schutzes und der Stille, ein Ort, an dem man seine Last ablegen kann und neue Kraft gewinnt, ein Ort der Anbetung und des Dankes.
Die Chronik der
evangelisch - reformierten Kirchengemeinde ("200 Jahre evangelische Kirche in Augustdorf. Soziale Wirklichkeit und diakonischer Anspruch einer lippischen Gemeinde") berichtet ausführlich über die Geschichte der Kirchengemeinde im Zeitraum von 1800 und 2000. Für Interessierte ist sie im Büro (Pastorenweg 26) zum Preis von 10 Euro zu erwerben.
Der Einband zeigt ein Foto der 1875 erbauten "Alten Dorfkirche" und den Aufriss der Fachwerkkapelle mit Giebel- und Seitenansicht.
Aus dem Leben der Pfarrer
Von Zeit zu Zeit soll an dieser Stelle aus dem Leben und der Zeit der Augustdorfer Pfarrer berichtet werden. Quelle ist die Chronik der Evangelisch - reformierten Kirchengemeinde Augustdorf. Der Stapelager Pfarrer Jenin, der Augustdorf in den ersten Jahren nach der Ortsgündung betreut hat, ist als einziger Auswärtiger mit in die Reihe aufgenommen worden.
Pastor Jenin
Als die neue Ansiedlung gegründet wurde, war kirchlich zunächst der Stapelager Pfarrer Jenin zuständig. Er war nicht immer glücklich mit denen auf dem Dören: " Ich habe meine Ungesundheit dem Dören zu verdanken,... Meine Canzel ist allda der Feuerherd, da ich zwischen zwei Hausthüren stehe und dem schädlichen Zugwind bloßgestellt bin." Als es darum ging, dass die Augustdorfer eine eigene Kapelle bauen wollten, war er aber auch nicht erbaut. " Meines Erachtens ist die Erbauung einer neuen Kirche in Augustdorf vorerst wohl noch nicht so nötig, weilen die Kirche alhier zu Stapelage noch allensfalls so viel Raum hat, die Bewohner des Augustdorfs, wenn sie sich gehörig zwischen anderen Leuten vertheilen, zu fassen." Zum Weg von Augustdorf nach Stapelage hat er zu bemerken: "Der Weg von Augustdorf biß hier ist zwar etwas bergig, allein er ist doch das ganze Jahr trocken, weilen man beständig auf grünem Rasen bis hierher gehet und aufs Höchste eine starke Stunde entfernt ist."
Die Augustdorfer sahen das allerdings alles etwas anders. In einer "Unterthänigsten Bittschrift" an den Landesherrn betonen sie ihre Bitte, eine Kirche in Augustdorf zu errichten. Sie selbst wollten auch finanziell dazu beitragen. "Der Weg zur nächsten Kirche nach Stapelage beträgt eine starke Stunde, geht über Berge und durch Waldungen und ist äußerst beschwerlich." Sie schließen in ihrer Bittschrift: "Sollten sich der Erfüllung unseres sehnlichsten Wunsches zuviel Schwierigkeiten entgegensetzen, so richten wir auch an unseren theuersten Regenten die eventuelle unterthänigste Bitte, daß wir künftig nicht an die Stapelager Kirche gebunden sein mögen, sondern es uns verstattet werde, nach Lage oder Detmold zur Kirche zu gehen." (Dezember 1797)
Friedrich Wilhelm Ludwig Daniel Jenin
Der Sohn des Stapelager Pfarrers erklärte am 9. Oktober 1800 seine Bereitschaft, als Prediger in Augustdorf tätig zu werden. Ihm werden am 17. Oktober 1800 die "Instuktionen für den Prediger zu Augustdorf" zugestellt. Mit Annahme dieser Instruktionen wird er am 29. Oktober 1800 der erste Augustdorfer Prediger. Er bleibt aber Pfarrgehilfe bei seinem Vater und versorgt die Augustdorfer Gemeinde von Stapelage aus. Schon früh hatte er wegen Baumängel an der im Jahr 1800 errichteten Kapelle zu klagen. 1802 wird festgestellt, dass die Westwand undicht und völlig feucht sei. 1811 heißt es, dass wegen Schadhaftigkeit des Daches "beim Regnen das Wasser überall bis unten in die Kirche durchdringt". Auch wenn 1828 bereits Abrisspläne erwogen wurden, bleib das Gotteshaus noch Jahrzehntelang bestehen. Jenin wurde nach dem Tod des Vaters 1820 Pfarrer von Stapelage und verstarb dort im Jahr 1828.Heinrich Ernst Friedrich Voigt
Im Jahr 1817 werden die Augustdorfer mit der Bitte um eine eigene Pfarrstelle erneut im Konsistorium vorstellig. Auf der Baumannschen Stätte sollte ein Pfarrhaus gebaut werden - zwischen der Kirche und der Schule. Fürstin Pauline bewilligt im Juli 1817 die "Creierung" der neuen Pfarrstelle und bewilligt eine jährliche Zulage aus der "Landrentheycasse". Die neue Pfarrstelle wird durch den Kandidaten Voigt besetzt, der seinen Dienst in Augustdorf am 1. Oktober aufnimmt.
Voigt muss ein bewegtes Leben geführt haben. Die Chronik der Kirchengemeinde berichtet, dass Voigt nach neunjährigem Dienst nicht nur aus dem Augustdorfer Pfarramt, sondern überhaupt aus der lippischen Geistlichkeit entlassen wurde. Die "Küstermannsche Chronik" überliefert einen mündlichen Bericht in dem es unter anderem heißt: "Um auszukommen, mußte er gleich seinen Nachbarn selbst mit angreifen, um seinen mittelmäßigen Ländereien das zu seinem Unterhalt nötige abzugewinnen. Allerdings verbauerte er hierdurch, und sein Tichten und Trachten war zu sehr irdisch; er kam, indem er sich seinen Kolonisten völlig gleichstellte, in ihr Tun und Treiben zu sehr hinein. ... Zu seinem Unglücke aber fing er das Spielen und Nachtschwärmen an. Einst kam er morgens erst gegen zehn Uhr erst aus einer Spielgesellschaft ....nach hause und bestieg sofort die Kanzel... Voigt aber wurde des Dienstes entlassen und wanderte nach Amerika aus."
Wilhelm Heinrich Emmighausen
Pastor Emmighausen hat seinen Dienst nur wenige Jahre in Augustdorf ausüben können. Geboren am 22. August 1798 war er nach dem Studium in Marburg und Göttingen Pfarrgehilfe in Heiden und anschließend Hauslehrer. 1824 wurde ihm die Blomberger Rektorenstelle übertragen. Am 19. Februar 1826 nahm Emminghausen seinen Dienst in Augustdorf auf. Nach nur vierjähriger Dienstzeit verstarb er am 24. Januar 1830 "infolge eines bösartigen Nervenfiebers".Christian Friedrich Melm
Im Jahr 1830 Kommt Pastor Melm nach Augustdorf. In seine Amtszeit fiel der Versuch, eine Seidenspinnerei zu etablieren. Die "Fürstliche Rentkammer" bemühte sich, in Lippe den Anbau von Maulbeerbäumen zu erproben und kam wegen des dafür günstigen Bodens auf Augustdorf als Versuchsgebiet. Pastor Melm bemühte sich um dieses Projekt auf den Pfarrgrundstücken. Zu Beginn noch recht skeptisch, war er nach den ersten Erfolgen überrascht. Selbstkritisch genug bekannte er aber freimütig, dass er kein besonderes Geschick habe, Raupen zu pflegen und Seide zu spinnen. Obwohl einige Augustdorfer nach den bemerkenswerten Anfangserfolgen Interesse an der Seidenspinnerei bekundeten, wurde das Projekt (wohl auch wegen der urwüchsigen Landschaft) von der Kammer nicht weiter verfolgt. Man war sich wohl darüber klar, dass für das Land Flachskultur und Flachsspinnerei wichtiger und ergiebiger seien als die Seidenspinnerei.
Von Melm sind Klagen über den miserablen Zustand des Pfarrhauses erhalten: „Dass der Giebel mich und die Meinigen unter seinem Einsturz begraben könnte…“. Für Augustdorf bereitete nicht nur die Aufbringung des angemessenen Gehaltes für den Pfarrer durch das gesamte 19. Jahrhundert hindurch Schwierigkeiten, es fehlten der Gemeinde auch die Mittel für die laufenden Kosten. Während die alt eingesessenen Kirchengemeinden über eine mehr oder weniger umfangreiche Ausstattung mit Eigenland bzw. Dienst- und Abgabeverpflichtungen der Kirchspieleingesessenen verfügten, gab es dergleichen in Augustdorf nicht. Die finanzielle Lage bliebt angespannt!
Pastor Melm wechselte 1835 nach Falkenhagen. Er verstarb im Jahr 1881.
Elias Theodor Wilhelm Oldenbürger
Nachfolgen Melms wird 1835 der kränkliche Pastor Oldenbürger. 1839 wendet er sich an die Kirchenbehörde, um wegen seines angegriffenen Gesundheitszustandes einen ordinierten Gehilfen zu beantragen. Auf unbestimmte Zeit kommt der Kandidat Ernst Klemme nach Augustdorf. Die Zusammenarbeit funktionierte – zumindest nach außen – solange gut, bis der Kandidat sich traute, um eine Verbesserung seiner materiellen Lage nachzusuchen. Sein Anliegen war gewiss nicht unbescheiden, gleichwohl genügte die Äußerung, um innerhalb kürzester Zeit ein völliges Zerwürfnis zwischen den beiden Theologen anzurichten. Nach Einvernahme diverser Zeugen berichtet Generalsuperintendent Althaus resigniert, die Streitsache sei durch gerichtliche Entscheidung wohl nicht zu fällen. Es folge eine Entscheidung auf administrativen Weg. Fürst Leopold II. verfügte gegen den Kandidaten und berief ihn im Oktober 1844 von seiner Stelle ab. Viele Sympathieerweisungen und der Hinweis, dass im Grunde beide Theologen zu gehen hätten, änderten nichts an der Sachlage. Seine Nachfolge trat noch im Herbst der Kandidat Georg Neubourg an.Gustav Otto Krecke

Im Mai 1848 berief Fürst Leopold II. den Pfarrgehilfen Gustav Otto Krecke nach Augustdorf. Pastor Oldenbürger hatte inzwischen wegen seiner angegriffenen Gesundheit beantragt, von seinen Amtspflichten entbunden zu werden. Mit Krecke kommt nun ein interessanter Mann nach Augustdorf, der über drei Jahrzehnte lang die Geschicke unserer Gemeinde in Händen hielt.
Krecke kommt erst mit 36 Jahren zu seiner 1. Pfarrstelle - die Studenten und Pfarrgehilfen hatten zu seiner Zeit eine Wartezeit von bis zu 15 Jahren auf eine Pfarrstelle in Kauf zu nehmen. Materiell half Krecke die Ernennung nicht sehr viel, weil Augustdorf eine sehr arme Pfarre war und die Gemeinde noch bis zum Tod von Pastor Oldenbürger im Jahr 1866 einen Großteil der Pfarreinkünfte als Gnadengehalt zu zahlen hatte.
In seinem ersten Pfarrbericht vermerkt er 1849: "die Armut ist hier groß, indem in den letzten Jahren über 40 Einliegerfamilien aus hiesigen Armenmitteln Unterstützung erhalten haben. ... Der Schmutz ist in den Wohnungen der Augustdorfer zu Hause. Für den, der eine schwache Gesundheit hat, ist es nicht ratsam, in ihren Stuben lange zu verweilen. ... Entwendung von Holz, Laub und Moos aus den herrschaftlichen Forsten scheinen die meisten für keine Sünde zu halten." Er ergänzt, dass die Augustdorfer gezwungen sind, sich diese Dinge auf unrechtsame Weise zu beschaffen, weil sie sie zum Überleben brauchen. "Sonst kann man den Augustdorfern keineswegs vorwerfen, daß sie diebisch sind."
Schon in diesem Bericht vermerkt er auch, dass er einen Volksverein gegründet habe, an dessen erster Versammlung 70 Männer teilgenommen haben. Er habe "... auf derselben die Wahlangelegenheit besprochen. In den nächsten Versammlungen werde ich die deutschen Grundrechte erklären und später die Verhandlungen des Lippischen Landtags besprechen."
Krecke hatte in seinem Denken deutliche Züge des Liberalismus erkennen lassen. Das brachte einen einflussreichen Gegner in Position. Küster Kessemeier gehörte zu der neue sich ausbreitenden Bewegung des Neupietismus. Von beiden Seiten gab es aus der Gemeinde nun Eingaben beim Konsistorium, bzw. beim Fürsten. Anklagen, der Prediger habe in religiöser und politischer Hinsicht Grundsätze, die mit dem heiligen Wort Gottes und dem Bekenntnis der evangelischen Kirche wesentlich in Widerspruch stehen sowie von der anderen Seite die Fürsprache vieler Gemeindeglieder brachten für die Gemeinde eine dauerhafte Belastung mit sich. Krecke wurde angewiesen, sich sämtlicher Erörterungen politischer Fragen zu enthalten. Augustdorf war kein Einzelfall, auch in anderen Bereichen Lippes entbrannte der Streit zwischen den von der Erweckungsbewegung erfaßten Neupietisten und den demokratisch gesinnten Kräften, der in Augustdorf weitere Kreise im Gesangbuch- und Katechismusstreit nach sich zog.
Im Juni 1866 wendet sich Krecke mit der Bitte um eine ander Pfarrstelle an das Konsistorium "...den fast 18jährigen Zug durch die Wüste des Lippischen Landes ... endlich zu beschließen." Die Formulierung an den Fürsten aus dem selben Jahr klingt sehr deutlich: "Wollen mich Euer Durchlaucht nicht zu einem zweiten Mose machen, der 40 Jahre in der Wüste umherziehen mußte und das gelobte Land nur schauen durfte."
Im August 1874 kommt Bewegung in die Angelegenheit "Kirchbau". Nachdem bereits einige Jahre lang Verhandlungen über einen Neubau geführt worden sind, kommt es zum Beschluss: Im nächsten Somme wird durch Baurat Merckel mit Rauhsteinen gebaut. Im April 1875 wurde die Fachwerkkapelle niedergerissen und das dabei gewonnene Baumateriel meistbietend verkauft. Am 1. Juni 1876 wird die neue Kirche eingeweiht. Generalsuperintendent Köppen schreibt über die Feier: "Vor der neuen Kirche angekommen, wird Lied Nr. 187 ... gesungen. Der Bauunternehmer überreicht die Schlüssel zur Kirche dem Baurath Merckel, derselbe übergiebt sie mit einigen Worten dem Pastor Krecke, welcher dann die Kirche aufschließt. Der Generalsuperintendent tritt, die Bibel tragend, in die Kirche ein, die Mitglieder des Kirchenvorstandes tragen die vasa saca [= Abendmahlsgeräte]. Die Festversammlung tritt in der vorher angegebenen Reihenfolge, die Schuljugend zuletzt in die Kirche ein." Allerdings gab es neben der Freude über die neue Kirche auch schon bald neuen Ärger - wegen des knappen Kostenrahmens mußte sparsam gebaut werden. Schon 1877 ergeben sich die ersten nachteiligen Folgen, es regnete stark durch. Eine Angelegenheit, die auch noch Kreckes Nachfolger beschäftigen sollte.
Gustav Otto Krecke wechselte 1878 nach Elbrinxen.
Auf einer "lustigen" Hochzeit (1863)
Der Küster schildert den Verlauf einer öffentlichen Beerdigung (1863)
August Sturhahn
Nachdem Pastor Krecke in Elbrinxen gewählt worden war, wurde die Pfarrstelle in Augustdorf mit dem Hilfsprediger August Sturhahn besetzt. Nach dem Theologiestudium in Erlangen und Tübingen war er 1875 Pfarrgehilfe in Falkenhagen geworden und im Jahr darauf in gleicher Funktion nach Talle gewechselt. Von April 1878 bis Dezember 1886 tat Pastor Sturhahn pfarramtlichen Dienst in Augustdorf. Nach seiner Augustdorfer Zeit wurde er Pfarrer in Barntrup wo er am 1. November 1906 verstarb.
In seine Amtszeit fällt der Bau eines neuen Pfarrhauses. Im Jahr 1883 kam man nach einer Besichtigung des Pfarrhauses zu dem Schluss, man könne "nur zu einem baldmöglichsten Neubau eines Pfarrhauses rathen, da, wie die Sache augenblicklich liegt, die Wahrscheinlichkeit vorliegt, daß das Haus im Laufe einiger Jahre von Polizei wegen müßte geräumt werden."
So kam es im Jahr 1884 zum Bau eines neuen Pfarrhauses. Das Gebäude (Pivitsheider Straße 60) diente bis zu seinem Verkauf im Jahr 1965 den Augustdorfer Pfarrern und ihren Familien als Wohnung. Das Bild stammt aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Louis Gottfried Adolf Heinrich Sartorius
Nach dem Weggang von Pastor Sturhahn ließ sich die Augustdorfer Pfarre nur schlecht besetzen. Eine Lösung bot sich durch Gottfried Sartorius an, der allerdings noch die zweite theologische Prüfung abzulegen hatte. Vorbehaltlich der noch abzulegenden Prüfung wurde er unter voller Verantwortlichkeit mit der kommissarischen Wahrnehmung der Pfarrgeschäfte beauftragt.
Gottfried Sartorius war am 7. November 1859 in Salzuflen geboren. Am 24. Oktober 1887 wurde er durch Superintendent Werdelmann in Augustdorf eingeführt. Er amtierte in Augustdorf bis September 1892 und wechselte dann nach Schötmar, wo er am 1. Juni 1904 verstarb.
Superintendent Werdelmann berichtet über die Einführung des Pastor Sartorius am 24. Oktober 1887.
Eduard Theopold
Pfarrer Eduard Theopold war im Grunde einer der letzten wirklichen "Pfarrherren", der seine Autorität ungebrochen aus dem Amt schöpfen konnte. Mit der Jahrhundertwende und dem beginnenden 20. Jahrhundert änderte sich vieles. Die Autorität des Amtes galt nicht mehr automatisch, sondern musste immer wieder für und mit den Menschen neu erworben werden.
Eduard Theopold übernahm die Pfarre Augustdorf im Jahr 1892 und blieb bis 1901 in Augustdorf. Ein besonderer Tag in seiner Amtszeit wird die 100 - Jahr Feier der Gemeinde am 9. September 1900 gewesen sein. Das Lippische Volksblatt berichtete darüber: "Es war ein schönes Kirchweihfest, das die Gemeinde gestern feiern durfte. Wer eben konnte hatte sich zur Kirche begeben, von Nah und Fern waren viele Gäste gekommen, so daß das Gotteshaus bis auf den letzten Platz gefüllt war und mancher keinen Sitzplatz mehr finden konnte. ... Dann predigte der Ortsgeistliche, Pastor Theopold, über Hebräer 18 Vers 8: Jesus Christus gestern und heute, und derselbe in Ewigkeit. In der Predigt wurde die Gemeinde zunächst an die Vergangenheit erinnert, an den Kirchweihtag vor 100 Jahren und an die Güte Gottes, die 100 Jahre über der Gemeinde gewaltet. Da ist viel Grund zur Dankbarkeit. Sodann wurde hingewiesen auf die noch heute waltende Treue des Herrn, der sich durch alle Trägheit, Undankbarkeit, Unfolgsamkeit des Menschen nicht irre machen läßt, in großer Geduld seinen Bund aufrecht zu halten. Da ist Grund zum Glauben.
Endlich wurde die Gemeinde an ihre Aufgaben in der Zukunft erinnert, sie hat die Jugend zu erziehen zu rechter Gottesfurcht und Gehorsam gegen den Herrn und wird über ihre Arbeit vor menschen und vor Gott Rechenschaft ablegen müssen. Ein gnädiges Urteil wird sie finden, wenn sie sich hält an Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit." (Den vollständigen Bericht des Volksblattes finden Sie hier.)
Wilhelm Brinkmeier
Im Mai 1901 wird Wilhelm Brinkmeier in das Pfarramt der evangelisch - reformierten Kirchengemeinde Augustdorf eingeführt.
Brinkmeier wurde am 15. Januar 1873 in Humfeld geboren und studierte von 1894 bis 1897 an den Universitäten Halle, Berlin und Greifswald. Die Hilfspredigerzeit hatte er in Lage abgeleistet. Im Jahre 1812 bewarb sich Pfarrer Brinkmeier nach Horn, wo er am 1. Januar 1912 seinen Dienst begann. Elf Jahre später gab er "unter Verzicht auf Titel, Anstellungsfähigkeit, Anspruch auf Ruhegehalt und Befähigung zur Vornahme geistlicher Amtshandlungen" die Pfarrtätigkeit auf.
Im Jahr 1931 versuchte die Augustdorfer Kirchengemeinde Wilhelm Brinkmeier wieder zurück zu holen. Dieser Vorstoß aber blieb erfolglos.
Gustav Gottfried August Krumme
Am 1. Januar 1914 wurde Gustav Krumme als Pfarrvikar mit der Verwaltung der Augustdorfer Pfarre beauftragt. Am 1. Oktober übernahm er als Pfarrer die Stelle definitiv. Gustav Krumme wurde am 4. Juni 1890 in Salzuflen geboren und studierte in Greifswald, Halle und Göttingen.
Die Pfarrtätigkeit Gustav Krummes in Augustdorf deckt sich weitgehend mit der Zeit des 1. Weltkrieges. Am 1. August 1914 geht ein Telegramm des Konsistoriums an Pfarrvikar Krumme ein: "Mittwoch Kriegsgottesdienst in allen evangelischen Kirchen. Konsistorium". Es ist überliefert, dass in den ersten Mobilmachungstagen täglich Abendmahlsfeiern (oft im Anschluss an einen Gottesdienst) in der Dorfkirche stattfanden. Gesonderte Gottesdienste beim Ausrücken der Soldaten gab es offensichtlich nicht, man traf sich allerdings einmal wöchentlich zu Kriegsgebetsstunden.
Die Gottesdienste waren in den Kriegsjahren Gedenkveranstaltungen für die Gefallenen. Den Gemeindegliedern wurden die Umstände sowie Zeit und Ort der Augustdorfer Gefallenen mitgeteilt. Der Pfarrer hatte das Gefallenenregister zu führen. In der Chronik heißt es dazu: "Allein in den ersten zwei Kriegsjahren fielen 33 Augustdorfer von 287 Männern, die eingezogen waren. Bis Ende des Krieges sollte sich die Zahl mehr als verdoppeln."
Eine der schwierigeren Aufgaben Pfarrer Krummes in dieser Zeit werden die vielen Besuche bei den Angehörigen gewesen sein. Krumme stand in diesen Jahren unter einer Spannung, der viele andere Pastoren ebenfalls unterworfen waren. Sie waren einerseits dem patriotistischen Denken ihrer Zeit unterworfen und hatten auf der andern Seite die seelsorgerische Verpflichtung gegenüber den Opfern und ihren Hinterbliebenen. So konnte der Augustdorfer Pastor neben seinen seelsorgerischen Tätigkeiten auch erbauliche Schriften mit patriotistischem Inhalt an seine Augustdorfer Soldaten im Feld schicken. Auch die Organisation der sogenannten "Heimatfront" unterlag seinen Aufgaben (z.B. Sammlungen für die Soldaten im Feld, bzw. für das Rote Kreuz, Verschickung von Paketen für die Soldaten in den ersten Kriegswintern).
Für die Kirchenkasse bedeutete der 1. Weltkrieg den Ruin. Trotz anfänglicher Bedenken hatte man die dritte Kriegsanleihe gezeichnet. Im Protokollbuch heißt es unter dem Datum des 29. August 1915: "Es wird einstimmig beschlossen, die unter Aufsicht und Verwaltung des Presbyteriums stehenden kirchlichen Gelder zur Zeichnung der dritten Kriegsanleihe zu verwenden." Es ging um einen Betrag von 4.100 Mark - mit ihnen ging das gesamte kirchliche Vermögen verloren.
Im Jahr 1916 wurde die kleine Bronzeglocke aus der ersten Augustdorfer Kapelle an die Mobilmachungsstelle ausgeliefert. Bis dahin hatte sie seit ungefähr 1800 im Turm der jeweiligen Kirche gehangen und ihren Dienst getan. Zwischenzeitlich war sie nach dem Abbruch der Kapelle vom Kolon Busch aufgekauft und der Gemeinde wieder geschenkt worden. Die beiden großen Glocken aus Gußstahl hatten überlebt, weil sie für den Kanonenguss nicht tauglich waren. Die Prospektpfeifen der Orgel mußten allerdings wegen ihres Zinngehalts der Rüstungsindustrie zur Verfügung gestellt werden.
Am 5. Mai 1918 versammelten sich etwas 60 Frauen und Pfarrer Krumme in der Dorfkirche, um einen "Vaterländischen Verein vom Roten Kreuz" zum Zweck der Alten- und Krankenpflege zu gründen. Seit diesem Tag gibt es in Augustdorf das kirchliche Engagement in der ambulanten Pflege. Vorsitzende des Vereins war Johanne Krumme, die Frau des Pfarrers, der selbst das Amt des 1. Schriftführers übernahm. An das ev. Diakonissenhaus in Detmold richtete man die Bitte, die neugegründete Gemeindepflegestation mit der Entsendung einer Diakonisse zu unterstützen. Am 22. September 1918 wird dann Diakonisse Pauline Wesemann im Gottesdienst eingeführt.
Nach vierjähriger Pfarrtätigkeit wechselte Pastor Krumme Ende 1918 nach Bad Salzuflen. Gustav Krumme starb am 27. August 1951 in Bad Salzuflen.
Fritz Koppenbrink
Am 23. Oktober 1918 wählte der Kirchenvorstand Pastor Fritz Koppenbrink zum Nachfolger von Pastor Krumme. Die Wahl fiel in eine Zeit voller Umwälzungen. Mitten in der Novemberrevolution wurde sie durch Fürst Leopold IV. bestätigt - zwei Tage später zog sich der Fürst zurück. Koppenbrink seinerseits zog es vor, den Umzug nach Augustdorf zunächt einmal hinauszuzögern. Erst am 1. Februar 1919 begann er seinen Dienst in Augustdorf.
Koppenbrink wurde am 14. Oktober 1875 geboren. Vor seiner Zeit in Augustdorf hatte er in Almena und Alverdissen pfarramtlichen Dienst versehen. Wegen einer Erkrankung wurde er schon im Juni 1922 in den Ruhestand versetzt. Er verstarb am 18. November 1944 in Wüsten.
Karl Schreck
Karl Schreck wurde unmittelbar nach der Pensionierung Pastor Koppenbrinks vom Konsistorium als Pfarrer nach Augustdorf berufen. Karl Schreck wurde am 16. Januar 1895 in Varenholz geboren. In seiner Studentenzeit wälzte der 1. Weltkrieg die normalen Abläufe seines Lebens durcheinander. Er meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst, wurde fünfmal verwundet und kam erst 1919 nach Ablauf der Kriegsgefangenschaft dazu, das Studium wieder aufzunehmen.
Am 1. Juni 1922 nahm Pastor Schreck seinen Dienst in Augustdorf auf. In seiner Amtszeit mussten die in Kriegs- und Inflationszeit gänzlich vernachlässigten kirchlichen Gebäude ausgebessert werden.
Karl Schreck verließ die Sennegemeinde zum Jahreswechsel 1931/32 um die Pfarrstelle in Heidenoldendorf zu übernehmen. Während des III. Reiches gehörte Karl Schreck zur Bekennenden Kirche, wurde mehrfach von der Gestapo vernommen und mit der Verbringung in ein Konzentrationslager bedroht. Seiner eigenen Einschätzung nach haben ihm in dieser Zeit nur die Auszeichnungen und Verwundungen aus dem 1. Weltkrieg vor dem Schlimmsten bewahrt. Karl Schreck starb am 1. Mai 1987.
Hans Held
Nach dem Weggang Pastor Schrecks konnte die Pfarrstelle der Kirchengemeinde zunächst nicht wieder mit einem eigenem Pfarrer besetzt werden. Einzig die Versorgung von Haustenbeck aus kam zu dieser Zeit in Frage. Somit wurde Pastor Held auch für Augustdorf zuständig und wechselte seinen Sitz von Haustenbeck nach Augustdorf. Für Pastor Held war es über all die Jahre hinweg, die er in Augustdorf Dienst getan hat, immer sehr wichtig, dass er - zumindest auf dem Papier - noch immer der Pastor von Haustenbeck war. Er hat wohl über all die Jahre nicht aufgegeben, darauf zu hoffen, noch einmal nach Haustenbeck zurückkehren zu können. Die Pläne des Staates mit der Senne und dem Ausbau des Truppenübungsgeländes brachten das entgültige Aus des Dorfes Haustenbeck mit sich. Mit der definitiven Auflösung des Dorfes im Jahr 1939 zerfiel seine Hoffnung und es gab für ihn auch keinen weiteren inneren Grund mehr, nach ungefähr einem Jahrzehnt noch weiterhin in Augustdorf zu bleiben. Er bewarb sich auf die vakante Pfarrstelle nach Brake und trat die Stelle zum 1. April 1940 an. Pastor Hans Held fiel am 22. Februar 1944 in Rußland.
Mit Hans Held beginnt die Zeit der Kirchengemeinde unter dem Nationalsozialismus. In diesen Jahren hat Pastor Held eine deutliche Position eingenommen. Zusammen mit seinem Vater gehörte er dem "Coetus reformierter Prediger in Lippe" an, er darf in das Umfeld der Bekenntnispfarrer gerechnet werden. In Augustdorf hatte man bei der reichsweit durchgeführten Kirchenvorstandswahl 1933 drei Vertreter gewählt, die ausdrücklich der Parteinorm entsprachen. Mit den Stimmen dieser drei Vertreter wurde am 12. März 1934 ein einstimmiger Beschluss des Kirchenvorstandes gefaßt, mit dem sich der Kirchenvorstand hinter die auf der Freien Synode der reformierten Gemeinden in Barmen verabschiedeten "Erklärung zum rechten Verständnis der reformatorischen Bekenntnisse" stellte. Eine mutige Entscheidung und ein deutliches Bekennen auch dessen, was man als Irrlehre und als zu bekämpfen ansah.
Heinrich Schmitz
Der Kirchenvorstand beschloss nach Bekanntwerden der Berufung Pastor Helds nach Brake, den Landeskirchenrat zu bitten, den auf den Höfen der Hermannsheide tätigen Pastor Heinrich Schmitz für die Dauer des Krieges mit der Verwaltung der Augustdorfer Pfarrstelle zu beauftragen.
Heinrich Schmitz wurde 1890 in Duisburg geboren, war Pfarrer in Bergneustadt als er wegen des Sammelns von Kollekten für die Bekennende Kirche und seiner deutlichen Predigten im Oktober 1937 mit der Geheimen Staatspolizei in Konflikt geriet. Die Chronik der Kirchengemeinde berichtet, dass Pastor Schmitz am 23. Oktober 1939 aus der Rheinprovinz ausgewiesen und mit einem reichsweit geltendem Redeverbot belegt wurde. Er verließ die Stadt, kehrte aber am nächsten Tag zurück, um im Gottesdienst zu predigen. Schmitz wurde daraufhin in "Schutzhaft" genommen. Nach seiner Freilassung lebte er in Arnsberg, um von hier aus den Kontakt mit seinen Gemeindegliedern zu halten. Daraufhin wurde das Aufenthaltsverbot auch auf den Regierungsbezirk Arnsberg erweitert. Über Bethel kam er schließlich in die Hermannsheide und dann nach Augustdorf.
Auch in Augustdorf hat Pastor Schmitz eine deutliche, am Bekenntnis orientierte Linie in seinem pfarramtlichen Dienst verfolgt und ist in dieser Zeit oft mit Personen zusammengestoßen, die die vorgebenene Parteilinie vorbehaltlos unterstützten.
Pastor Schmitz hat sich immer wieder darum bemüht, in die Rheinprovinz zurückkehren zu dürfen. Die Rückkehr nach Bergneustadt war ihm verwehrt, aber zum 1. April 1943 durfte er die kommissarische Verwaltung der Gemeinde in Wesel übernehmen - und damit wieder in die Rheinprovinz zurück. In Augustdorf übernahm Pastor Schreck den Vorsitz im Kirchenvorstand und kümmerte sich um die Gottesdienste. Den kirchlichen Unterricht übernahm Pastor Ellermann aus Lage.
In den fünfziger Jahren kam es zu einer Begegnung Pastor Beines mit seinem Vorgänger Pastor Schmitz, der in dieser Zeit Augustdorf besuchte. Pastor Beine gab später davon Bericht. Die Chronik der evangelisch - reformierten Kirchengemeinde Augustdorf berichtet davon:
"Pastor Schmitz kam in ein KZ. Als dann gegen Ende des Krieges, wie an anderen Orten, Pastor Schmitz mit den anderen Insassen des Lagers in Marsch gesetzt wurde, wäre auch er wie jeder der KZ-Insassen, die nicht mehr weiter gehen konnten, erschossen worden. Mitleidende, die noch stärker waren, haben ihn beim Marschieren gestützt. Darunter auch ein katholischer Pfarrer, mit dem er, wie er mir erzählte, als er mich besuchte, dann sehr befreundet war. Plötzlich kam ein LKW und hielt bei dem Elendszug der KZ-Insassen an. Ein Offizier steigt aus und fragt den Leiter des Wachpersonals der KZ-Leute: `Wohin wollen Sie mit diesen Leuten?´ Als der Leiter das Ziel angibt, sagt der Offizier: `Ich habe den Befehl, diese Leute abzutransportieren.´ Die Plane des LKW wird hochgehoben, und die KZ-Insassen müssen sich oben hinsetzen. Der LKW wird wieder mit der Plane verschlossen und fährt ab.
Die Männer unter der Plane denken: Jetzt kommt unser Ende. Doch nach einer Weile hält der LKW. Die Plane wird hochgehoben, und der Offizier sagt freundlich: `Steigen Sie bitte jetzt ab.´ Erstaunt schauen sich die Männer um und sehen sich in einem Hof von Gebäuden umgeben. ... Der `Offizier´, der kein Offizier war, hatte sie in ein Kloster transportiert. Um die KZ-Gefangenen zu retten, hatte er sich mutig als Offizier verkleidet."
Heinrich Schulte
Heinrich Schulte wurde am 17. September 1913 in Hörste geboren. Nach dem Examen unterstützte er mehrere Pastoren in ihrem Dienst bevor er am 28. August 1939 zum Heeresdienst einberufen wurde. Auf einem Fronturlaub im Mai 1940 heiratete er Charlotte Hieronymus (die später bis 1950 als Pfarrfrau im Augustdorf lebte) - auch die Ordination geschah im Mai 1940.
Ende März 1942 wurde dem Kirchenvorstand die Ernennung Schultes zum Pfarrer der Gemeinde Augustdorf mitgeteilt. Die Einführung erfolgte am 12. Juli 1942. Heinrich Schulte musste wieder in den Krieg. Nur noch einmal hat er in Augustdorf gepredigt, am 15. August 1943 während eines Fronturlaubs. Heinrich Schulte ist nicht wieder aus dem Krieg zurück gekommen. Er galt zunächst als vermisst. Pastor Beine, später ebenfalls Pastor in Augustdorf, berichtet in der Chronik darüber, dass er Pastor Schulte damals am Dnjepr getroffen habe. Man habe sich ausgetauscht, nach Neuigkeiten aus der Heimat gefragt. In diesem Gespräch zwischen den beiden Pastoren kam für Schulte der Einsatzbefehl, auf eine besetzte Dnjepr Insel vorzustoßen. Als Beine am folgenden Tag wieder vor Ort war, traf er einen Soldaten, der bei diesem Einsatz dabei war. Dieser Soldat habe berichtet, dass Schulte vermutlich tödlich getroffen sei. Der Tag, an dem Heinrich Schulte vermisst und sehr wahrscheinlich auch getötet wurde, ist später als der 7. Oktober 1943 rekonstruiert worden.
Da Pastor Schulte als vermisst galt, wurde die Pfarrstelle in den nächsten Jahren nicht wieder neu besetzt - der erste reguläre Pfarrer der Gemeinde nach dem Krieg wurde Helmut Beine (im Jahr 1950). Im Krieg teilten sich die Pastoren Ellermann und Schreck die pastoralen Aufgaben bis dann Pastor Fuhr die Gemeinde drei Jahre lang verwaltete.
Karl Fuhr
Karl Fuhr, geboren am 17. Januar 1911 in Bad Kreuznach, studierte in Erlangen und Bonn. Die beiden theologischen Examen legte er 1935 bzw. 1938 vor der (vom NS - Staat her gesehen illegalen) Prüfungskommission der Rheinischen Bekenntnissynode in Barmen ab. Hilfsprediger wurde er in der Bekennenden Gemeinde in Aachen, später in der Bekennenden Gemeinde in Hilden bei Düsseldorf. Ab Herbst 1943 bestand seine Verpflichtung zum Kriegsdienst, aufgrund eines Unfalls wurde er bereits im Frühsommer 1944 wieder daraus entlassen. Karl Fuhr wurde - wie vielen anderen Vertretern der Bekennenden Kirche - in der Lippischen Landeskirche ein Unterkommen in einer der Gemeinden angeboten. Zunächst arbeitete er in Heiligenkirchen bis er dann im August 1944 nach Augustdorf kam.
Die Situation in Augustdorf wird nicht einfach für ihn gewesen sein. Im Pfarrhaus war nach wie vor Frau Schulte Hausherrin, deren Mann als vermisst galt. Frau Schulte versah das Organistenamt der Gemeinde. Seit einiger Zeit lebte auch die Diakonisse Mathilde Brand im Pfarrhaus, ferner einige Evakuierte aus dem Ruhrgebiet und für einige Zeit auch Pfarrer Schultes Vater.
Bewegend ist der Bericht über das Kriegsende in Augustdorf. Pfarrer Fuhr hielt am Ostersonntag 1945 noch den Gottesdienst in der Dorfkirche, als der Beschuss der amerikanischen Truppen bereits eingesetzt hatte. Im Abkündigungsbuch vermerkte Pfarrer Fuhr: "Der Gottesdienst musste infolge Beschusses abgebrochen werden... Am 1. Feiertag wurde im kleinen Kreis im Pfarrhaus die Osterpredigt gehalten." Die Kampfhandlungen über die Osterfeiertage (1. und 2. April) trafen Augustdorf relativ hart. 28 Häuser wurden zerstört, auch kirchliche Gebäude wurden beschädigt. Karl Fuhr berichtete später von mehreren direkten Treffern, sowie von Schäden an Fenstern und Dächern.
Im Mai 1946 berichtete Pastor Fuhr von der erfolgten Umbettung der an den verschiedenen Stellen im Gemeindegebiet Gefallenen. Seitdem ist das Gelände hinter dem Ehrenmal Ehrenfriedhof - die Chronik beziffert die Zahl der Gräber mit 72 Soldaten und 55 Kriegstoten aus dem Ausländerlager.
Am 15. Mai 1947 verließ Karl Fuhr die Gemeinde Augustdorf, um das Pfarramt in Hiddesen zu übernehmen. Später war er Pfarrer und Superintendent in Aachen. Karl Fuhr verstarb am 12. Juni 2000.
Friedrich Möller
Friedrich Möller wurde am 16. Juli 1907 in Lippstadt geboren. Zwischen 1926 und 1936 besuchte er das Seminar der "Rheinischen Missionsgesellschaft" und wurde nach bestandenem Examen als Missionskandidat Pfarrverweser in Helpup. Dort kam er durch seine offenen Predigten und die Verbundenheit zur Jugend in Konflikt mit der Gestapo. Möller wurde daraufhin nach Absolvierung eines Sprachkurses in den Niederlanden im Frühjahr 1938 als Missionar nach Nias ausgesandt. 1940 geriet er dort - ausgelöst durch den deutschen Überfall auf die Niederlande - in Gefangenschaft aus der er erst 1946 wieder entlassen wurde. Es folgte ein Vertretungsdienst in Langenholzhausen bevor Friedrich Möller nach Augustdorf berufen wurde. Sein Dienst in Augustdorf war ebenfalls ein Vertretungsdienst, da die Pfarrstelle rechtlich noch Pastor Schulte übertragen war, der in Russland als vermisst galt. Friedrich Möller wechselte 1949 nach Oerlinghausen - auch dort tat er den Dienst zunächst als Pfarrverweser. Erst nach einen Kolloquium im September 1955 wurde ihm die Pfarrstelle in Oerlinghausen definitiv übertragen. Seine letzte Pfarrstelle hatte er zwischen 1969 und 1974 in Lippereihe. Friedrich Möller verstarb am 4. Juni 1982.- 1. |
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