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Mai 2012
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Legende:

vorgemerkt
 
bestätigt
 
 

Spruch für die Woche nach Exaudi:

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

Johannes 12,32

 

Altarbibel

Lesung zu Christi Himmelfahrt:

Apostelgeschichte 1,4-11:

Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

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Offen gesagt...

Chorraum vom Friedhof gesehen Der Stein ist weg. Das Grab ist leer. ER lebt! Das ist die Nachricht, die nicht zu fassen, nicht zu begreifen ist. ER lebt - sagt´s dem Petrus, geht nach Galiläa - dort werdet ihr es sehen. Vielleicht auch begreifen. Aber nun geht, sagt das weiter: Er lebt, ist auferstanden. Das ist die Botschaft des Gottesboten. Unbegreiflich, nicht zu verstehen - neue Angst machend. Obgleich gerade das nicht geschehen soll - er will die Angst nehmen. Der Gottesbote - aber auch er kann nicht verhindern, dass sie die Frauen ergreift. Nicht Osterfreude, sondern Erschrecken ist angesagt. Das Grab ist leer - wie soll das einer begreifen?
Bis dahin ist alles so verständlich, passt sich an unsere Denkmuster an. Auch den Gerechten trifft es, auch der Liebe wird eine Grenze gesetzt. Gewalt setzt sich durch, der Macht des Stärkeren ist nichts entgegen zu setzen. Das passt - so leben wir, so verhalten wir uns. Aber Christus selbst passt nicht in unsere Denkmuster hinein. Stellt sie auf den Kopf - ist anderes als wir ihn uns schnitzen würden. Radikaler in seiner Liebe, umfassender in seiner Konsequenz. Wahrer Mensch und wahrer Gott. Gott wird Mensch - lebt wie wir, leidet wie wir, stirbt für uns. Und überwindet den Tod. Christus ist anders!
"Er stellt sich zur Ehebrecherin, als alle sich distanzierten.
Er kehrte bei dem Zöllner ein, als alle sich über ihn empörten.
Er rief die Kinder zu sich, als alle sie wegschicken wollten.
Er vergab Petrus, als der sich selbst verdammte.
Er lobte die opfernde Witwe, als sie von allen übersehen wurde.
Er verjagte den Versucher, als alle anderen auf ihn hereingefallen wären.
Er versprach dem Schächer das Himmelreich, als alle ihm die Hölle wünschten.
Er rief Paulus in seine Nachfolge, als alle ihn als Verfolger fürchteten.
Er floh den Ruhm, als alle ihn zum König machen wollten.
Er liebte die Armen, als alle den Reichtum erstrebten.
Er heilte Kranke, als sie von anderen aufgegeben waren.
Er schwieg, als alle ihn verklagten, verspotteten und auspeitschten.
Er starb am Kreuz, als alle ihr Fest feierten.
Er nimmt die Schuld auf sich, weil alle ihre Hände in Unschuld waschen.
Er erstand vom Tod, als alle meinten, alles sei zu Ende.
Jesus Christus ist anders als du und ich ihn je gedacht."
Die Frauen am offenen Grab können das nicht wissen - ahnen vielleicht, aber nicht wissen. Darum beginnt die Osterfreude mit einer großen Furcht. Und mit der Flucht in das Gewohnte, in das vertraute Versteck. Wo die anderen darauf warten, dass sich Dinge ändern - wie auch immer. Jesus ist anders. Er kennt mich - und dich, geht unsere Wege mit uns - auch dann, wenn die dunklen Tage kommen, die Stürme des Lebens, die unser Lebensschifflein in Wind und Wellen hin und her werfen.
Er ist da, auch wenn das Wasser schon über Bord schlägt und die Zukunft verstellt und dunkel aussieht. Er ist da, und geht mit mir und dir durch manches tiefe Tal, trägt mich, wenn es sein muss. Auch wenn ich mich hin und wieder dagegen wehre, weil ich meine es besser zu wissen. Er ist da in der Angst und schenkt mir neue Hoffnung und neuen Mut. Weglosigkeit gibt es nicht bei ihm - denn er ist meine Zukunft. Darum ist Ostern ein Fest der Freude. Darum ist Ostern das Hereinbrechen des Lichtes, das auch im Finstern scheint. Darum ist Ostern ein Neuanfang, neuer Anfang, wo alles zu Ende erscheint. Der Lichteinfall trifft bei mir auf beides: Er trifft auf mein Arrangement mit der Dunkelheit und bringt es durcheinander. Er trifft auf den verdrängten, versteckten, überwucherten, in den Keller der Seele abgeschobenen, aber doch immer noch glimmenden Funken der Sehnsucht nach unversehrtem, alle und alles mit einschließendem ewigem Leben. Die Steine, die das Leben verbergen, müssen angefasst und weggeräumt werden.
Manchmal müssen wir es selbst tun. Manchmal finden wir sie weggeräumt. Dann kommt Neues in Gang. Ostern ist die Alternative zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens. Ostern ist, sich von der eigenen Endlichkeit nicht abschrecken lassen. Jesus ist bei mir und bei dir, hält seine Hand um dich und mich - wir können nicht herausfallen aus dieser Hand.
Ostern ist, mit dem Stein zu leben. Ostern ist, mit der aufgehenden Sonne zu gehen. Ostern ist gehen, laufen, zittern, verirren umdrehen, suchen, wandern, fliehen - und dennoch: Aufstehen zurück ins Leben.
„Dort werdet ihr ihn finden!"



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